Aber halt: Schweizer Politik ist gar nicht so dröge und langweilig. Wenn das offizielle amtliche Bulletin in den Protokollen trocken den Vermerk: «Heiterkeit» einträgt, weiss man: Hier hat die Menschlichkeit kurz die Regie übernommen.
Jüngstes Beispiel: Die 175. Ratssitzung des Kantonsrats in Zürich, bei der ein eigentlich ernstes Thema zur Naturschutz-Debatte unfreiwillig für kollektiven Lachanfall sorgte.
Hier sind die fünf legendärsten, lustigsten und sympathischsten Momente aus den Schweizer Parlamentssälen.
1. Der Wasservogel-Versprecher im Zürcher Kantonsrat (2026) Eigentlich wollte der Zürcher SP-Kantonsrat Jonas Erni die Bevölkerung für den Schutz brütender Tiere an heimischen Gewässern sensibilisieren. Seine Interpellation trug den ernsten Titel «Brütende Wasservögel weniger stören» . Doch als er zu seiner Rede ansetzte, nahm das Schicksal seinen Lauf:
«Denn wer an einem schönen Sommertag an den Greifensee oder den Pfäffikersee geht, der sieht, wie intensiv unsere Seen genutzt werden zum Schwimmen, Spazieren, paddeln, Vögel beobachten oder einfach zum Geniessen der Natur. Entschuldigung…»
Schon bei den Worten «Vögel beobachten» stockte Erni, und im Saal mit 180 Anwesenden setzte das Kopfkino ein. Die vieldeutige Interpretation lag in der Luft. Die Kolleginnen und Kollegen schauten verschmitzt, Erni versuchte krampfhaft die Contenance zu wahren – vergeblich. Er verfiel in einen unkontrollierbaren Lachanfall, aus dem er kaum mehr herausfand.
«Wenn man vor 180 Personen in einer Situation, in der man eigentlich Contenance wahren sollte, nicht mehr aus dem Lachen kommt, fühlt man sich schon ein wenig nackt» , gestand Erni danach. Selbst die Ratspräsidentin nahm die Szene gelassen und verzichtete sympathisch auf einen Ordnungsruf.
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2. Der unangefochtene Kult-Klassiker: Hans-Rudolf Merz und das «Bündnerfleisch» (2010) Platz 1 der ewigen Schweizer Politik-Lacher gehört unangefochten Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Er musste im Nationalrat eine hochoffizielle Beamtendeutsch-Anfrage zu den Importzöllen von gewürztem Fleisch verlesen.
Schon bei Sätzen wie «in Anlehnung an Anmerkung 6 Kapitel 2...» schien die Bürokratie sich selbst zu übertreffen. Als Merz schliesslich beim Begriff «Bündnerfleisch» ankam, verlor er komplett die Fassung. Der Bundesrat verfiel in einen minutenlangen, herrlich ansteckenden Lachanfall, prustete ins Mikrofonsystem und riss den gesamten Ratsaal mit. Das Video erreichte weltweit Millionenaufrufe und ist bis heute Schweizer Kulturgut.
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3. Johann Schneider-Ammann: «Rire c'est bon pour la santé» (2016) Ironie pur im Bundeshaus: Zum Tag der Kranken richtete sich der damalige Bundespräsident Johann Schneider-Ammann mit einer Videobotschaft an die Bevölkerung. Mit absolut unbewegter Miene, stoisch-ernstem Blick und leicht melancholischem Unterton verkündete er auf Französisch:
«Rire c'est bon pour la santé.» (Lachen ist gesund.)
Der unfreiwillige Kontrast zwischen der ermunternden Botschaft und der beinahe wie eine Trauerrede vorgetragenen Gestik machte die Ansprache auf einen Schlag viral. Ein Lehrstück in Sachen unfreiwilligem Schweizer Humor.
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4. Géraldine Savary und die «Moderhinke» der Schafe (2015) Im Ständerat geht es meist noch eine Spur bedächtiger zu als im Nationalrat – ausser, es geht um die Gesundheit von Schafen. Die Genfer Ständerätin Géraldine Savary sollte einen Bericht über die Bakterienerkrankung «Moderhinke» (eine schmerzhafte Klauenkrankheit bei Schafen) vortragen.
Beim Versuch, die komplexen tiermedizinischen Begriffe fehlerfrei auf Deutsch und Französisch auszusprechen, verhedderte sich Savary komplett. Die skurrile Situation trieb ihr Tränen der Rührung und des Lachens in die Augen. Mitten im Lachanfall entschuldigte sie sich prustend «bei allen betroffenen Schafen» – der ganze Ständerat lachte mit .
5. Doris Leuthard und die Freiberger-Hengste (2010) Kurz vor dem Bündnerfleisch-Fanal bewies die damalige Bundesrätin Doris Leuthard, dass auch die Zucht von Schweizer Freiberger-Pferden Tücken birgt. Bei einer Parlamentsdebatte über das nationale Bundesgestüt in Avenches verstrickte sie sich in den bürokratischen Erklärungen zu Deckbällen, Paarungsprüfungen und der Fortpflanzung der Hengste.
Leuthards charmantes Schmunzeln verwandelte sich rasch in ein herzlich befreiendes Lachen, was die oft steife Debattenkultur spürbar auflockerte.
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Ob stundenlange Budgetdebatten oder trockene Gesetzesrevisionen: Politik wird von Menschen gemacht. Momente wie der Wasservogel-Versprecher von Jonas Erni zeigen, dass Humor das beste Mittel gegen politische Versteifung ist. Denn wie sagte schon Johann Schneider-Ammann so treffend? «Rire c'est bon pour la santé.»